Warum wir die Geistige Welt nicht mit menschlichen Maßstäben messen können

Wer beginnt, sich intensiver mit Spiritualität, Medialität oder der Geistigen Welt zu beschäftigen, macht früher oder später fast zwangsläufig denselben Fehler. Ein Fehler, den ich selbst gemacht habe und den ich heute bei vielen Menschen beobachte.

Wir versuchen, die Geistige Welt mit unserem menschlichen Verstand zu verstehen.

Auf den ersten Blick erscheint das völlig logisch. Schließlich kennen wir nichts anderes. Wir erleben die Welt als Mensch. Wir denken als Mensch. Wir fühlen als Mensch. Also betrachten wir auch spirituelle Erfahrungen automatisch durch die menschliche Brille.

Doch genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung.

Der Versuch, das Unvergleichbare zu vergleichen

Meiner Erfahrung nach ist ein echter Vergleich zwischen unserer Welt und der Geistigen Welt gar nicht möglich. Wir versuchen dabei etwas Zeitliches mit etwas Zeitlosem zu vergleichen. Etwas Materielles mit etwas Nichtmateriellem. Etwas Begrenztes mit etwas, das keine Grenzen kennt.

Kein Wunder also, dass unser Verstand irgendwann an seine Grenzen stößt.

Gerade am Anfang meiner spirituellen Entwicklung wollte ich alles verstehen. Ich wollte wissen, wie die Geistige Welt funktioniert. Welche Regeln dort gelten. Wie Kommunikation abläuft. Welche Strukturen es gibt. Ich stellte mir die Geistige Welt oft viel zu menschlich vor.

Heute kann ich darüber schmunzeln.

Meine Frage an St. Germain

Bei einem meiner ersten spirituellen Seminare wurde damals St. Germain gechannelt. Während die meisten Teilnehmer fasziniert den Botschaften lauschten, beschäftigte mich eine ganz andere Frage.

St. Germain war doch Franzose.

Warum sprach er plötzlich Deutsch?

Gibt es in der Geistigen Welt Sprachunterricht? Lernen Verstorbene nach ihrer Ankunft sämtliche Sprachen? Gibt es dort Übersetzer? Oder spricht jeder automatisch jede Sprache?

Diese Frage ließ mir keine Ruhe.

Also fragte ich die Seminarleiterin.

Ihre Antwort war erstaunlich kurz:

„Wir verstehen einander.“

Mehr nicht.

Damals war ich mit dieser Antwort überhaupt nicht zufrieden. Heute verstehe ich, dass darin bereits die gesamte Erklärung enthalten war.

Ich wollte die Geistige Welt mit menschlicher Logik erfassen. Genau darin lag mein Denkfehler.

Die Grenzen des Verstandes

Unser Verstand ist ein großartiges Werkzeug. Er hilft uns, unseren Alltag zu organisieren, Probleme zu lösen und Zusammenhänge zu erkennen.

Doch er wurde nicht dafür geschaffen, alles zu erfassen, was jenseits unserer materiellen Wahrnehmung existiert.

Der Verstand liebt Ordnung.

Er liebt Struktur.

Er liebt Erklärungen.

Er liebt Schubladen.

Die Geistige Welt jedoch funktioniert nicht nach den Regeln unserer materiellen Welt.

Und genau deshalb geraten viele spirituelle Suchende irgendwann in eine Sackgasse. Sie versuchen, etwas zu analysieren, das sich nicht vollständig analysieren lässt.

Die Sache mit der „Lichtsprache“

Im Laufe der Jahre bin ich vielen Erklärungsversuchen begegnet. Manche sprechen von einer Sprache der Geistigen Welt. Andere berichten von sogenannten Lichtsprachen.

Jeder Mensch darf selbstverständlich seine eigenen Erfahrungen machen.

Wenn ich jedoch ganz ehrlich bin, dann haben viele dieser Phänomene für mich eher etwas von einer exotischen Inszenierung als von einer Kommunikationsform einer Ebene, die von Weisheit, Klarheit und bedingungsloser Liebe geprägt ist.

In meiner gesamten Arbeit mit der Geistigen Welt hat noch nie ein Wesen versucht, auf diese Weise mit mir zu kommunizieren.

Viel häufiger geschieht etwas völlig anderes.

Wie die Geistige Welt tatsächlich kommuniziert

Wenn ich die Kommunikation der Geistigen Welt mit einem menschlichen Begriff beschreiben müsste, würde ich von Telepathie sprechen.

Von Energieübertragung.

Von Impulsübertragung.

Von unmittelbarem Verstehen.

Plötzlich ist ein Gedanke da.

Ein Bild.

Ein Gefühl.

Eine Erkenntnis.

Ein Wissen.

Nicht, weil jemand gesprochen hat.

Nicht, weil Worte verwendet wurden.

Sondern weil die Information unmittelbar bei dir angekommen ist. Direkt. Klar. Unverfälscht. Ohne sprachliche Missverständnisse.

Vielleicht liegt genau darin der Grund, weshalb Sprache auf Seelenebene kaum eine Rolle spielt.

Warum viele Menschen nie wieder inkarnieren wollen

Ein weiteres Beispiel für die menschliche Sichtweise begegnet mir häufig bei Aussagen wie:

„Nie wieder komme ich auf diese Erde zurück.“

Aus menschlicher Perspektive ist dieser Gedanke absolut nachvollziehbar.

Wir erleben Krankheit.

Verlust.

Trennung.

Enttäuschung.

Leid.

Konflikte.

Kriege.

All das macht das Leben auf der Erde nicht immer einfach.

Doch die Seele betrachtet das Leben aus einer völlig anderen Perspektive. Sie blickt nicht primär auf den Schmerz. Sie blickt auf die Erfahrung. Auf Entwicklung. Auf Wachstum. Auf Erkenntnis. Auf Lernen.

Denn viele Erfahrungen, die für die Seele wertvoll sind, können ausschließlich innerhalb einer Inkarnation gemacht werden.

Die Erde als Erfahrungsraum der Seele

In der Geistigen Welt gibt es keine Trennung.

Keinen Verlust.

Keine Vergänglichkeit.

Keinen körperlichen Schmerz.

Kein Altern.

Keine materiellen Begrenzungen.

Genau deshalb bietet eine Inkarnation Möglichkeiten, die in der Geistigen Welt nicht existieren.

Aus diesem Blickwinkel erscheint die Erde plötzlich in einem anderen Licht.

Nicht als Strafanstalt.

Nicht als Ort des Leidens.

Sondern als einzigartiger Erfahrungsraum.

Ein Ort, an dem Entwicklung möglich wird.

Ein Ort, an dem Bewusstsein wächst.

Ein Ort, an dem die Seele Erfahrungen sammelt, die sie auf andere Weise niemals machen könnte.

Die Gefahr der Vermenschlichung

Ein gutes Beispiel finden wir übrigens auch im Tierreich.

Wer Hunde oder andere Tiere ständig vermenschlicht, versteht sie oft schlechter statt besser.

Warum?

Weil wir etwas durch unsere eigene Perspektive betrachten, das nach völlig anderen Gesetzmäßigkeiten funktioniert.

Mit der Geistigen Welt verhält es sich ganz ähnlich.

Solange wir versuchen, sie ausschließlich mit menschlichen Kategorien zu erklären, werden wir nur einen kleinen Ausschnitt dessen verstehen, was tatsächlich existiert.

Was die Geistige Welt uns lehrt

Im Laufe der Jahre habe ich unzählige Fragen gestellt.

Viele davon blieben unbeantwortet.

Nicht, weil man mir die Antworten vorenthalten wollte.

Sondern weil unsere menschlichen Sinne und unser Wahrnehmungssystem schlicht nicht dafür ausgelegt sind, alles zu erfassen.

Irgendwann habe ich aufgehört, gegen diese Grenze anzukämpfen.

Und genau in diesem Moment wurde meine spirituelle Entwicklung deutlich entspannter.

Heute konzentriere ich mich auf das, was die Geistige Welt uns zeigt, anstatt krampfhaft verstehen zu wollen, was außerhalb unserer menschlichen Möglichkeiten liegt.

Weniger Denken, mehr Erfahren

Wenn du deine Verbindung zur Geistigen Welt vertiefen möchtest, dann versuche nicht, jede Erfahrung sofort analytisch zu zerlegen.

Gehe mehr ins Fühlen.

Gehe mehr ins Wahrnehmen.

Gehe mehr ins Vertrauen.

Lerne wieder zu staunen.

Lerne wieder zuzuhören.

Lerne wieder zu empfangen.

Denn die tiefsten spirituellen Erkenntnisse entstehen selten durch Nachdenken.

Sie entstehen durch Erfahrung.

Fazit

Der größte Fehler im Umgang mit der Geistigen Welt besteht darin, sie durch rein menschliche Maßstäbe erklären zu wollen.

Unser Verstand ist wertvoll. Doch er hat Grenzen.

Die Geistige Welt beginnt genau dort, wo diese Grenzen sichtbar werden.

Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, alles zu verstehen.

Vielleicht geht es darum, offen zu bleiben.

Zu vertrauen.

Zu erfahren.

Und Schritt für Schritt zu erkennen, dass wir weit mehr sind als der Mensch, der gerade diese Zeilen liest.

Denn auf Seelenebene bist du nicht zufällig hier.

Du bist hier für Erfahrungen.

Für Wachstum.

Für Entwicklung.

Für deine Seelenfreunde.

Und für einen Beitrag, der weit über dieses eine Leben hinausreicht.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner